Beate Klein (Dipl.-Musiktherapeutin)
angestellt als Honorarkraft bei „Herzkranke Kinder e.V.“
Mittlerweile ist es fast schon ein Jahr her, dass ich die Arbeit auf der kinderkardiologischen Station des Universitätsklinikums Münster (UKM) begonnen habe.
Vieles, was am Anfang noch neu und ungewohnt war, ist mittlerweile Routine
geworden. Der Alltag im Krankenhaus bringt es mit sich, dass die Patienten häufig
wechseln, also oft nur ein paar Tage auf der Station sind und ich sie vielleicht nur
einmal sehe und mit ihnen arbeiten kann. Das ist mir am Anfang sehr schwer
gefallen. Ich war es von anderen Stellen gewohnt, über einen längeren Zeitraum mit
Kindern zu arbeiten und eine Beziehung aufzubauen. Hier finde ich fast jeden
Mittwoch andere Kinder, andere Lebensgeschichten und Voraussetzungen vor.
Daher ist das übergabegespräch mit der Erzieherin, bei dem ich neben
medizinischen Informationen auch etwas über die psychische Verfassung der Kinder
erfahre, ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit.
Gemeinsam suchen wir dann die
Kinder aus, die einzeln oder in der
Gruppe Musiktherapie erhalten
sollen. Im Anschluss daran hole
ich den Instrumentenwagen,
bereite die benötigten Instrumente
vor und beginne entweder im
Spielzimmer oder, falls die Kinder
bettlägerig sind, im jeweiligen
Krankenzimmer mit der
Musiktherapie.
Ich starte zunächst immer mit einem speziellen
„Begrüßungslied“, in dem ich die Kinder namentlich
anspreche bzw. ansinge. Der weitere Verlauf der
Musiktherapie ist offen und wird weitestgehend von den Kindern bestimmt. Ich biete
verschiedene Lieder und Instrumente an,
gebe also einen gewissen „Spielraum“ vor
und die Kinder entscheiden dann selbst, in
welche Richtung es gehen soll.
Die
Bedürfnisse der Kinder sind dabei ganz
unterschiedlich. Manche möchten, dass ich
Lieder singe, die sie dann auf Instrumenten
rhythmisch begleiten, andere singen selber
gerne mit oder erfinden manchmal bei sogenannten
„Quatschliedern“ weitere Strophen, in
denen oft auch Personen aus ihrer aktuellen
Situation (z.B. Pfleger, ärzte, Eltern) mit
eingebaut werden. Manchmal improvisieren wir auch nur auf den Instrumenten.
Hierbei werden ganz häufig momentane Stimmungen hörbar zum Ausdruck
gebracht. Mit Jugendlichen arbeite ich eigentlich nur, wenn wir allein und ungestört
im Zimmer sein können, was leider selten ist. Neben der Improvisation nimmt hier
Der Instrumentenwagen
meist der Gesprächsanteil einen großen Raum ein. Keine Stunde ist gleich und
vorhersehbar bzw. planbar. Man muss sich jedes Mal neu auf das jeweilige Kind
einstellen und es ist immer wieder spannend und schön zu beobachten, wie die
Kinder das musikalische Angebot nutzen, wie die Augen zu strahlen beginnen und
man nach kurzer Zeit vergessen hat, dass man sich in einem Krankenhaus befindet.
Schmerzen und ängste lassen sich dadurch natürlich nicht ausschalten. Ich erlebe
aber immer wieder, dass sie für einen Augenblick in den
Hintergrund treten und glaube, dass dadurch Kräfte für
den Selbstheilungsprozess gesammelt werden können.
Sie als betroffene Eltern eines herzkranken Kindes
wissen natürlich, dass es neben erfreulichen
Krankheitsverläufen auch immer wieder schwere
Rückschläge gibt. Hier kann die musiktherapeutische
Arbeit ein Stück Begleitung für Kinder und deren Eltern
sein. In solchen Situationen kann es vorkommen, dass
ich einfach nur Zeit, Ruhe und ein Gesprächsangebot für
die Eltern und Kinder mitbringe oder vielleicht ein
Lieblingslied des Kindes vorspiele oder singe. Bei
Kindern, die länger auf der Station sind oder wiederholt stationär kommen, kann ich
natürlich auf vorangegangene Situationen, Vorlieben für Lieder, Instrumente etc.
zurückgreifen, da ich mir meist nach den Therapien kurze Notizen zu den
Therapieverläufen mache.
Die Rahmenbedingungen für ein therapeutisches Arbeiten sind auf der Station sicherlich nicht optimal. Man hat keinen geschützten Therapieraum und muss daher immer wieder mit kurzfristigen Störungen (Untersuchungen, Besuchen etc.) rechnen oder auch „öffentlich“ arbeiten, wenn die Kinder nicht alleine auf ihrem Zimmer sind oder wenn Kinder, Besucher oder Schwestern mal eben kurz ins Spielzimmer schauen. Das alles erfordert ein hohes Maß an Spontaneität, Flexibilität und Konzentration und ist dadurch bisweilen sehr anstrengend. Trotzdem kann ich sagen, dass mir die Arbeit sehr viel Freude bereitet und ich eigentlich immer mit einem guten Gefühl nach Hause gehe.
Ich hoffe, dass den kleinen Patienten meine musiktherapeutische Wegbegleitung noch lange zur Verfügung stehen kann und wir in Zukunft an der einen oder anderen Stelle die Rahmenbedingungen vielleicht noch verbessern können.
Ganz herzliche Grüße
Beate Klein